Eine Prognose setzt voraus, dass die Welt bekannt genug ist, um aus dem Gestern das Morgen zu berechnen. Sie setzt Zukunft als vorhersehbar voraus. Wir halten das für einen Irrtum, jedenfalls für die Zukünfte, um die es hier geht.
Ankündigen ist etwas anderes. Das Wort kommt von «kennen» und «wissen lassen». Wer ankündigt, gibt sich zu erkennen und verpflichtet sich.
Im alltäglichen Sprachgebrauch sagen wir «ein Gewitter kündigt sich an» und meinen damit nicht, was Meteo Schweiz in der App sagt, sondern eine Veränderung, die sich bemerkbar macht. Die Luft riecht anders. Die Wolkendecke verändert sich. Wind kommt auf. Aus ersten Signalen entstehen Muster, die wir aus unserer Erfahrung wiedererkennen. Und dennoch wissen wir nicht: Wird es nur regnen oder auch hageln? Wann genau kommt es?
Genau in diesem Dazwischen arbeiten wir. Nicht bei dem, was sicher kommt, sondern bei dem, was sich abzeichnet, bevor man es benennen kann.
Und darin liegt der eigentliche Grund, warum wir beim Prolog so auf Ankündigungen abfahren. Eine Prognose kann man nur glauben oder nicht glauben. Eine Ankündigung kann man mittragen, ändern, oder ihr eine eigene entgegensetzen. Sie hat immer jemanden, der sie ausspricht und dafür geradesteht. Deshalb ist Ankündigen für uns die demokratischere Form: Es macht Zukunft zu etwas, worüber man verhandeln kann, statt zu etwas, das über einen kommt (und den Expert:innen zur Berechnung und Interpretation vorbehalten bleibt).
Der Prolog im September ist deshalb keine kleine Version des Festivals. Der Prolog kündigt an, ohne alles auch gleich tun zu müssen. An manchen Orten findest du eine Skizze statt eines Raums, eine Anweisung statt eines Programms, einen QR-Code, der dich zu Bänken führt, die du auf Ricardo ersteigern kannst, statt einer Bank im Hier und Jetzt zum Draufsitzen. Diese Bank musst du dir vorstellen.
Das war von Anfang an so gedacht. Das Zukunftsfestival ist auf eine Entwicklungsphase von drei bis fünf Jahren angelegt. Der Prolog ist ihr erster Schritt, und was daraus wird, entscheidet sich daran, wer mitgeht. Wir folgen dem Sprichwort: Wer schnell gehen will, geht allein. Wer weit gehen will, geht zusammen. Für diesen Prozess nehmen wir uns strategisch begründet unüblich viel Zeit. Weil wir glauben, dass es sich wie mit gutem Wein verhält: Das soziale Traubenwasser fermentiert erst mit etwas Zeit, in guten Fässern, die ihm Schutz bieten, zu etwas Verwandeltem.
Der Samstag ist der offene Tag. An den Orten übernimmt je eine Partnerorganisation eine Zukunftsfrage. Manches findet statt. Manches ist nur angekündigt. Das Meiste liegt irgendwo dazwischen.
Dazwischen liegen die Wege. Vorgeschlagene Routen verbinden die Orte, meistens über einen kleinen Umweg. Die Zeitangaben sind grosszügig gerechnet, weil sie vom langsamen Gehen ausgehen. Denn wie sagt man so schön: Auf Umwegen passiert das Leben.
Auf diesen Wegen wirst du auf Dinge stossen, die nicht im Programm stehen. Wir sagen dir nicht, was. Und statt Info-Points gibt es Menschen, die dir begegnen, dich ein Stück begleiten und dir sagen können, wie lange du wohin brauchst.
Am Abend laufen alle zusammen.
Die Entwicklungsphase des Zukunftsfestivals ist mit viel Umsicht und Fürsorge für die langsameren, unerwarteten Prozesse auf drei bis fünf Jahre angelegt, seit dem ersten Konzeptpapier. Der Prolog 2026 ist der erste Schritt, kein verkleinertes Festival. Es geht in diesen Jahren nicht darum, «fertig entwickelt» zu sein: Es ist eine Entwicklungs- und Aufbauphase. Erst danach wollen wir uns der Erwartungshaltung an ein Festival stellen. Was daraus wächst, entscheidet sich daran, wer mitgeht, und wir haben nicht vor, das allein zu entscheiden. Über das Jahr hinweg soll es weitere, kleinere Gelegenheiten geben, an denen weitergestaltet wird.